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Ernährung: Die Milch macht’s – auch bei Tauben
Es ist eine Kuriosität der Natur: Nicht nur Säugetiere haben Milch entwickelt – etwas Ähnliches gibt es auch bei Tauben, Flamingos und Kaiserpinguinen: Sie produzieren in ihrem Kropf eine milchartige Substanz, mit der sie ihre Jungen ernähren. Die Inhaltsstoffe der Kropfmilch von Tauben haben nun australische Forscher genauer unter die Lupe genommen.
Das Sekret besitzt demnach neben den
bekannten Fetten und Eiweißen
auch mehrere immunisierende Stoffe
und gesundheitsfördernde Antioxidantien.
Damit schützen die Eltern-Tauben
nicht nur ihren Nachwuchs, sondern auch
sich selbst, sagen die Forscher um Meagan
Gillespie von der australischen Forschungsakademie
Csiro in Geelong.
Kropfmilch sei ein interessantes Beispiel
für die Evolution eines Systems in
zwei verschiedenen Tiergruppen. „Denn
sie erfüllt eine ähnliche Funktion wie die
Milch der Säugetiere“, sagt Meagan Gillespie.
Die nahrhafte Substanz wird allerdings
auf andere Weise produziert. Frühere
Studien haben bereits die grundlegenden
Mechanismen dieses Konzepts
aufgedeckt: Bei Tauben beginnen beide
Elternteile wenige Tage vor dem Schlüpfen
der Jungen mit der Milchproduktion.
Die Taubenmilch bildet sich dabei an
flüssigkeitsgefüllten Auskleidungszellen
im Kropf. Nach dem Schlüpfen saugen sie
die Jungen dann aktiv aus dem Schlund
der Eltern. Ähnlich wie die Milch der
Säugetiere enthält Taubenmilch Fett, Eiweiß, Vitamine und Mineralien – alles,
was ein Jungvogel braucht. Mit dieser
Kraftnahrung vollzieht sich die Entwicklung
der Winzlinge rasend schnell: In den
ersten Tagen ihres Lebens verdoppelt sich
ihr Gewicht täglich. Nach etwa fünf Tagen
öffnen sie die Augen, bereits nach
drei Wochen ist dann das Gefieder voll
entwickelt und schon nach etwa vier Wochen
folgen die ersten Flugversuche.
Um genauere Informationen über die
Zusammensetzung dieser faszinierenden
„Babynahrung“ zu gewinnen, haben die
Forscher um Meagan Gillespie nun die
Muster der Genaktivität, das Vorkommen
bestimmter Eiweiße und die Strukturen
von Geweben von milchgebenden Tauben
genau analysiert. Der Vergleich mit
Tauben, die keine Milch gaben, zeigte,
dass bei den „stillenden“ Vögeln Erbanlagen
aktiviert waren, die eine Rolle beim
Zellwachstum, dem Immunsystem und
für die Produktion von Antioxidantien
spielen. Die Substanzen, an deren Herstellung
diese Gene beteiligt sind, könnten
sowohl dem Jungvogel über die Milch
zugute kommen als auch den Kropf der
Eltern vor Infektionen schützen, meint
Biologin Gillespie. Insgesamt unterschieden
sich „stillende“ und jungvogellose
Tauben in der Aktivität von 1.181 Erbanlagen.
Zudem zeigte das Kropfgewebe
deutlich strukturelle Anpassungen an die
milchgebende Funktion. Weitere genetische
Untersuchungen machten die Komplexität
der Milchproduktion deutlich:
Bestimmte Fette für die Milchproduktion
werden in der Taubenleber produziert, in
den Kropf verlagert und dann von den
Milchzellen abgegeben.
Auch in Zukunft will sich Meagan Gillespie
ihrem kuriosen Forschungsobjekt
nun weiter widmen und noch weitere
Geheimnisse um das „Stillen“ der Tauben
lüften.
Quelle und Originalarbeit: „Histological and global
gene expression analysis of the ‚lactating‘ pigeon
crop“ (in press), Meagan Gillespie von der
australischen Forschungsakademie Csiro in Geelong
et al.: BMC Genomics

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