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Spottdrosseln können Menschen unterscheiden
Die Singvögel reagieren aggressiver auf Individuen, die sich ihrem Nest schon einmal genähert haben und eine potenzielle Bedrohung sind, haben amerikanische Forscher beobachtet.
Douglas Levey von der Universität von
Florida in Gainesville und seine Kollegen
erstaunte vor allem die Geschwindigkeit,
mit der die Drosseln lernten, die
einzelnen Menschen zu unterscheiden:
Nach nur zwei Tagen, an denen die Vögel
das Gesicht des Eindringlings jeweils nur
dreißig Sekunden lang sahen, erkannten
sie es wieder. Spottdrosseln verteidigen
ihre Nester aggressiv und fliegen Scheinangriffe
auch auf große „Feinde“ wie
Menschen. Für den aktuellen Versuch
nahmen die Wissenschaftler nun ein paar
Drosselnester auf dem Campus der Universität
in Gainesville unter die Lupe: An
vier aufeinanderfolgenden Tagen näherte
sich jeweils ein Freiwilliger dem Nest
einer Spottdrossel, blieb für 30 Sekunden
direkt am Nest stehen, berührte es kurz
und hob dann die Hand. Am ersten Tag
flog der Vogel erst aus dem Nest und griff
an, wenn der Eindringling bis auf fünf
Meter an das Nest herangetreten war. Am
vierten Tag reichte hingegen schon eine
Distanz von 15 Metern, um den Vogel
aufzuscheuchen. Am fünften Tag schließlich
schickten die Forscher einen anderen
Freiwilligen zum Nest. Verblüffenderweise
reagiere die Drossel nicht wie am Vortag,
sondern wie am ersten Tag des Versuchs
und ließ den Herannahenden ohne
Attacke bis auf fünf Meter an ihr Nest.
Die Forscher wählten für ihren Versuch
verschiedene Nester, die in der Nähe von
Fußwegen oder Parkplätzen lagen, so
dass viele Menschen nah an den Brutplätzen
vorbeigingen. Die Drosseln mussten
daher nicht lernen, zwei Individuen auseinanderzuhalten,
sondern einen Einzelnen
aus einer Masse zu erkennen. Im
Durchschnitt gingen während der Brutzeit
15.000 Passanten nah an den Versuchsnestern
vorbei. Dabei zeigten sich
die Spottdrosseln, deren Nester mehr
Menschen passierten, wesentlich toleranter
und weniger aggressiv. Dieses Verhalten
sei aus biologischer Sicht sinnvoll,
kommentieren die Forscher: Die Vögel
verschwenden dadurch etwa in Städten
mit vielen Menschen so wenig Energie
wie möglich, indem sie Fehlalarme weitestgehend
vermeiden.
Die Geschwindigkeit, mit der die Spottdrosseln
lernten, ist ungewöhnlich hoch,
berichten die Forscher. In fast allen Versuchen,
in denen Tiere lernen, artfremde
Individuen voneinander zu unterscheiden,
benötigen sie 100 bis 10.000 Mal
länger als die Drosseln.
Quelle/Originalarbeit: Douglas Levey (Universität
von Florida, Gainesville) et al.: PNAS, Online-
Vorabveröffentlichung,doi: 10.1073/
pnas.0811422106

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