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Steinbacher-Preisträger 2011: Rolf-Guido und Maria Krahe
Nach einer Pause im vergangenen Jahr hat sich die Jury des Steinbacher-Preises 2011 wieder für einen Preisträger entschieden. Geehrt werden Rolf-Guido und Maria Krahe aus Smithers/British Columbia, Kanada, für ihren Bericht „Verhaltensmuster bei Eulen in menschlicher Obhut“ in der Gefiederten Welt Nr. 11 und 12, 2010, wobei der Preis an Maria Krahe posthum verliehen wird, da sie bereits 2008 verstarb.
Dieser komprimierte Einblick in das
Verhaltensrepertoire einer ganz besonderen,
von nur wenigen privaten Haltern
gepflegten Vogelgruppe erfüllt alle
Anforderungen des Preises und belegt,
wie gute Vogelhaltung andere biologische
Disziplinen positiv zu beeinflussen mag.
Der Bericht geht weit über die Schilderung
einzelner Verhaltensweisen hinaus.
Eulen verhalten sich anders als andere
Vögel – dies mag die Grundinformation
sein, auf der Rolf-Guido Krahe seine Beobachtungen
und Analysen ausbreitet. Er
schildert, wie das besonders feine Gehör
der Eulen ihr Verhalten beeinflusst oder
wie sehr sie sich auf einen vertrauten
Menschen einstellen können. Wie stark
die Aggressivität verschiedener Eulenarten
untereinander, insbesondere wenn
sie eine gemeinsame Voliere bewohnen,
sein kann, auch dies beschreibt und begründet
er ausführlich: Mord ohne jegliche
erkennbare Gemütsregung, wie es
scheinen mag. Interessant seine Erfahrungen
mit Polygamie bei den sonst fast
ausschließlich monogamen Eulen – nur
in menschlicher Obhut lässt sich solches
Verhalten genauer dokumentieren.
Seit über 50 Jahren beschäftigt sich
Rolf-Guido Krahe, 1933 in Bonn geboren,
nun schon mit Eulen; 39 verschiedene
Formen (Arten und Unterarten) hat er
bislang gepflegt und die Mehrheit von
ihnen in seinen Volieren vermehrt. Aus
diesem großen Erfahrungsschatz lässt er
viele, teils Jahrzehnte zurückliegende
Beobachtungen einfließen und schließt
doch mit der Erkenntnis, dass auch für
ihn noch immer viele Fragen offen sind.
Rolf-Guido Krahes Arbeit „Verhaltensmuster
bei Eulen“ ist ein interessanter
Beleg dafür, welche positiven wissenschaftlichen
Impulse von einer fachmännischen
Volierenhaltung ausgehen können.
Hier handelt es sich nicht um eine
wissenschaftliche Betrachtung, sondern
um ein Kaleidoskop interessanter Einzelbeobachtungen,
die zur weiteren Beschäftigung
mit dieser interessanten Vogelgruppe
anregen. Die Beobachtungen
und Erklärungsansätze sind dabei in einem
angenehmen Plauderton gehalten,
der an populärbiologische Schilderungen
früherer Zeiten (z. B. in Grzimeks Tierleben)
erinnert. Krahes Bericht enthält eine
Fülle von interessanten Fakten: der
Altersrekord beim Brillenkauz, die Ausführung
zur Polygamie bei Cholibaeule
und Sägekauz, der zusätzliche Nachweis
von Schachtelbruten bei Letzterem, das
vor Kälte schützende Vergraben von Eiern
in der Neststreu beim Kalifornienzwergkauz
und das Füttern jüngerer
Geschwister im Nest durch Jungvögel der
Schleiereule.
Wenn es etwas Kritisches anzumerken
gibt, dann dass das Literaturverzeichnis
recht unvollständig ist und sich der Autor
z. B. auf Arbeiten bezieht, die nicht in der
Zusammenstellung auftauchen.
Rolf-Guido Krahe war viele Jahre lang
als Architekt tätig und begann in den
1950er Jahren mit der Vogelhaltung.
1981 gab er seinen Beruf als Architekt auf
und wanderte mit seiner Familie und seinen
Eulen nach Kanada aus, wo er 1983
das „Driftwood Research and Breeding
Center for Owls“ und 1993 die „Society
for the Conservation and Research of
Owls“ (S.C.R.O.) gründete. Seit vielen
Jahren ist er auch im Artenschutz im
Freiland und bei Erhaltungsprogrammen
seltener Inselformen aktiv (s. hierzu den
Bericht über den Haida Gwaii-Sägekauz
Aegolius acadicus brooksi in einer der
nächsten Ausgaben der GW). Auch zählt
er zu den Unterstützern wissenschaftlicher
Untersuchungen an Eulen.
Der Gefiederten Welt ist er seit 54 Jahren
treu; die meisten seiner lesenswerten
Berichte aus der Vogelhaltung erschienen
in unserer Zeitschrift. Seine Frau Maria
hat ihn bis zu ihrem Lebensende in all
diesen Aufgaben unterstützt.
Wir wünschen Rolf-Guido Krahe noch
viele Jahre Freude an seinen Eulen und
viele interessante Beobachtungen!
Bedanken möchten wir uns an dieser
Stelle auch beim Verlag Ulmer und dem
Verleger Matthias Ulmer, der jedes Jahr
seit Dr. Steinbachers Tod den Geldbetrag,
der mit diesem Preis verbunden ist, zur
Verfügung stellt!
Die Jury des Steinbacher-Preises
Dr. Christoph Hinkelmann, Theo Kleefisch,
Stephan M. Hübner

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